Orthomolekularmedizin

Die Select-Studie

Ende Oktober 2008 wurde die SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) unter großem Medienecho abgebrochen, eine groß angelegte Studie, mit der untersucht werden sollte, ob durch Gabe von Vitamin E und Selen die Häufigkeit von Prostatakrebs verringert werden kann.

Der Grund für den vorzeitigen Abbruch: Eine im September 2008 vorgenommene Zwischenauswertung von SELECT ergab, dass weder Selen noch Vitamin E, noch beide Substanzen kombiniert das Risiko auf ein Prostatakarzinom signifikant senken. Außerdem zeigten sich zwei Trends: Im Studienarm mit der alleinigen Vitamin E-Gabe kam es zu einem leichten Anstieg der Erkrankungen am Prostatakrebs und im Studienarm mit der alleinigen Selen-Gabe stieg die Zahl der Diabeteserkrankungen.

Aufgrund dessen gab das US-National Cancer Institute (NCI) vor kurzem bekannt, dass die SELECT-Studie vorzeitig beendet wird. An SELECT hatten an mehr als 400 Orten in den USA, Puerto Rico und Kanada rund 35.000 Männer im Alter ab 50 Jahren teilgenommen. Sie waren auf vier Studienarme randomisiert worden, in denen sie mit 400mg Vitamin E oder 200 µg Selen oder beiden Präparaten oder mit Placebo behandelt wurden.

Unsere Meinung (und die der Gesellschaft für Biologische Krebstherapie):

Die häufig zu lesende Schlussfolgerung, dass der Abbruch der SELECT-Studie quasi die Bedenklichkeit von Antioxidantien belege, kann so nicht nachvollzogen werden, da die gemessenen Effekte gering und statistisch nicht signifikant waren. So gibt selbst das NCI zu, dass beide Trends durchaus Zufallsergebnisse gewesen sein könnten.

Darüber hinaus ist es sehr fraglich, inwieweit eine standardisierte Zufuhr Sinn macht, ohne dass man diese dem wirklichen Versorgungszustand anpasst. Gerade beim Selen besteht die Gefahr einer Überdosierung, weshalb viele Therapeuten eine vorherige Bestimmung des Selenspiegels im Vollblut empfehlen. Diese Problematik zeigt sich auch in der Publikation der Zwischenergebnisse: Während bei uns in Deutschland Serum-Selenwerte von etwa 60 - 80 Mikrogramm pro Liter gemessen werden, lagen die Probanden bei Selenwerten von 135 Mikrogramm, also etwa 170 Mikrogramm bei Messung im Vollblut - weit über dem deutschen Referenzbereich von 100 - 140 Mikrogramm! Diese Probanden hatten ganz sicher keinen Selenmangel! Durch die Gabe von grundsätzlich 200 Mikrogramm Selenomethionin wurden sie aber sogar bis auf 250 Mikrogramm angehoben!

Außerdem geben Experten zu Bedenken, dass die falsche Molekülform von Vitamin E sowie von Selen gegeben und es versäumt wurde, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C sicherzustellen, um das Vitamin E zu regenerieren.

Insofern sollte der Abbruch der SELECT-Studie nicht dazu führen, die Supplementation mit Antioxidantien bei Krebspatienten oder Gesunden verallgemeinernd in Frage zu stellen. Vielmehr ist es erforderlich, dass jeder eine auf ihn abgestimmte individuelle Antioxidantiengabe erhält und dass natürlich auch eine gesunde Ernährung dazu beiträgt, Defizite auszugleichen.

Michael Bauer


Bedienfeld für den Seitenanfang

Vitamin E